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Fortbildung 2026

Fortbildung Mädchensprechstunde

Aktuelle Erkenntnisse zur gynäkologischen Betreuung von Kindern und Jugendlichen – von hormonellen Veränderungen bis zu den Auswirkungen von Social Media.

14. März 2026 Stuttgart Fachkongress Mädchensprechstunde

Mädchen und junge Frauen haben besondere gesundheitliche Bedürfnisse. Die Pubertät bringt körperliche und seelische Veränderungen mit sich, die Fragen aufwerfen und manchmal auch Sorgen bereiten. Auf diesem Fachkongress wurden aktuelle Entwicklungen vorgestellt, die uns helfen, junge Patientinnen noch besser zu begleiten. Hier finden Sie eine Zusammenfassung der wichtigsten Themen.

Minderjährige in der gynäkologischen Praxis

Der erste Besuch bei der Frauenärztin ist für viele Mädchen aufregend. Dabei stellen sich auch rechtliche Fragen – sowohl für die Jugendlichen selbst als auch für ihre Eltern:

  • Alleine zur Ärztin: Jugendliche können ab einem gewissen Reifegrad eigenständig eine gynäkologische Sprechstunde aufsuchen. Ab etwa 14 Jahren ist dies in den meisten Fällen möglich – die individuelle Einwilligungsfähigkeit wird dabei berücksichtigt.
  • Vertraulichkeit: Was in der Sprechstunde besprochen wird, unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht – auch gegenüber den Eltern. Das schafft Vertrauen und ermöglicht offene Gespräche über sensible Themen wie Verhütung oder Sexualität.
  • Elektronische Patientenakte: Mit der Einführung der EPA gibt es neue Regelungen zum Datenschutz bei Minderjährigen. Wir achten darauf, dass die Privatsphäre junger Patientinnen gewahrt bleibt.
  • Neue gesetzliche Rahmenbedingungen: Das Selbstbestimmungsgesetz betrifft auch die ärztliche Praxis – wir halten uns über aktuelle Änderungen auf dem Laufenden, damit wir rechtlich und medizinisch korrekt handeln.

Für Sie relevant: Ihr Kind kann uns vertrauen – und Sie können darauf vertrauen, dass wir junge Patientinnen altersgerecht und respektvoll begleiten. In unserer Mädchensprechstunde schaffen wir einen geschützten Rahmen für offene Gespräche.

Social Media und Mädchengesundheit

TikTok, Instagram und YouTube sind für viele Jugendliche die erste Informationsquelle – auch bei Gesundheitsthemen. Das hat Vorteile und Risiken zugleich:

  • Unrealistische Körperbilder: Gefilterte Bilder und inszenierte Körper können bei Mädchen ein verzerrtes Bild davon erzeugen, wie ein „normaler" Körper aussehen sollte. Das kann Unsicherheiten verstärken und den Selbstwert beeinflussen.
  • Gesundheitstrends ohne Grundlage: Von Detox-Tees über „Perioden-Hacks" bis zu fragwürdigen Ernährungstipps – virale Inhalte sind selten medizinisch geprüft. Manche sind harmlos, andere können tatsächlich schaden.
  • Tabus werden gebrochen: Gleichzeitig sorgen soziale Medien dafür, dass Themen wie Menstruation, Verhütung oder Intimgesundheit offener besprochen werden. Viele Mädchen trauen sich dadurch eher, Fragen zu stellen – auch in der Praxis.
  • Was Eltern tun können: Nicht verbieten, sondern begleiten. Interesse zeigen, gemeinsam einordnen und bei Unsicherheiten die ärztliche Sprechstunde als sicheren Ort anbieten.

Für Sie relevant: Wenn Ihre Tochter mit Gesundheitsfragen aus dem Internet kommt, ist das ein gutes Zeichen – es zeigt Interesse am eigenen Körper. Wir greifen diese Fragen auf und helfen, Fakten von Mythen zu unterscheiden.

PCO-Syndrom und Übergewicht bei Jugendlichen

Starke Akne, unregelmäßige oder ausbleibende Perioden, unerklärliche Gewichtszunahme – das kann in der Pubertät vorkommen. Manchmal steckt aber ein hormonelles Ungleichgewicht dahinter, das als PCO-Syndrom (polyzystisches Ovarialsyndrom) bekannt ist:

  • Was ist PCO? Beim PCO-Syndrom produzieren die Eierstöcke vermehrt männliche Hormone. Das kann zu Zyklusstörungen, Hautproblemen und Gewichtszunahme führen. Etwa 5–10 % aller Frauen sind betroffen, oft beginnt es bereits in der Pubertät.
  • Schwierige Diagnose bei Jugendlichen: In der Pubertät ist der Hormonhaushalt noch nicht eingespielt. Unregelmäßige Zyklen sind in den ersten Jahren nach der ersten Periode normal. Deshalb braucht die Diagnose Erfahrung und Geduld – nicht jedes Symptom ist gleich behandlungsbedürftig.
  • Zusammenhang mit Gewicht: Übergewicht und PCO verstärken sich gegenseitig. Erhöhtes Körpergewicht kann die hormonelle Situation verschlechtern, gleichzeitig macht das hormonelle Ungleichgewicht das Abnehmen schwieriger. Ein Teufelskreis, den man früh durchbrechen kann.
  • Therapie beginnt beim Lebensstil: Ernährungsanpassung und regelmäßige Bewegung sind oft wirksamer als Medikamente. Bei Bedarf können hormonelle oder medikamentöse Unterstützung ergänzt werden – individuell und altersgerecht.

Für Sie relevant: Wenn Ihre Tochter unter hartnäckiger Akne, seltenen Perioden oder Gewichtsproblemen leidet, kann ein Gespräch in unserer Mädchensprechstunde Klarheit bringen. Wir klären ab, ohne Druck aufzubauen, und begleiten individuell.

Essstörungen und Sport – wenn „gesund" krank macht

Schlank, fit, leistungsstark – das klingt nach Gesundheit. Doch wenn junge Frauen zu wenig essen und zu viel trainieren, kann der Körper in einen gefährlichen Energiemangel geraten. In der Medizin wird das als RED-S bezeichnet (Relative Energy Deficiency in Sport):

  • Die Periode bleibt aus: Eines der deutlichsten Warnsignale. Wenn der Körper nicht genug Energie bekommt, fährt er die Fortpflanzungsfunktion herunter. Das betrifft nicht nur Leistungssportlerinnen – auch Mädchen mit eingeschränkter Ernährung und viel Alltagsbewegung können betroffen sein.
  • Knochen in Gefahr: Ohne ausreichend Östrogen und Nährstoffe werden die Knochen nicht richtig aufgebaut. Gerade im Jugendalter – der wichtigsten Phase für die Knochenentwicklung – kann das langfristige Folgen haben.
  • Nicht immer offensichtlich: Essstörungen zeigen sich nicht nur als extremes Untergewicht. Auch Mädchen mit normalem Gewicht können ein gestörtes Essverhalten haben. Übermäßiger Sport, starre Ernährungsregeln oder das Meiden bestimmter Lebensmittelgruppen können erste Hinweise sein.
  • Früh handeln macht den Unterschied: Je eher man eingreift, desto besser die Aussichten. Die Behandlung erfordert oft ein Zusammenspiel aus Gynäkologie, Ernährungsberatung und psychologischer Begleitung.

Für Sie relevant: Eine ausbleibende Periode bei sportlich aktiven oder schlanken Mädchen sollte immer abgeklärt werden. Sprechen Sie uns an – wir nehmen das Thema ernst und unterstützen mit Einfühlungsvermögen und den richtigen Ansprechpartnern.

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